Heute morgen habe ich mein Wohnmobil übernommen. Das Ding ist fast neu, hat gerade mal 3500km runter. Wenn ich damit fertig bin wird es also in etwa 3 mal so durch sein, wie bei der Übernahme.
Das hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Das Fahrzeug ist quasi wie aus dem Ei gepellt. Daraus folgt, daß alle Kratzer, Dellen und Schrammen, die das hat wenn ich es abgebe, auf meine Rechnung gehen. Also werde ich mir Mühe geben müssen die Kosten im Rahmen zu halten.
Nach der Übernahme, samt Einweisung in die höheren Weihen des Wohnmobilierens (vor dem Kochen Gas aufdrehen etc.) bin ich dann erstmal bei Aldi auf den Hof und habe ein Paar Tonnen haltbares gekauft. Dosensuppen, Nudeln usw.
Dann ging es auf die Piste und um 17:45 habe ich die Zivilisation verlassen und das erste Land mit Kreuz in der Flagge betreten - Dänequark. Das war allerdings nur Transitland, so daß ich diese Zeilen hier schon in Schweden schreibe. Hier bin ich einfach auf einen Rastplatz gefahren und habe zwischen den anderen Wohnmobilen den Anker fallen lassen. Die haben hier praktischerweise eine extra-Wiese für Wohnmobile auf dem Rastplatz - Wahrscheinlich, damit die normalen nicht so belästigt werden von den karpotten WoMo-Fahrern.
Ab morgen ist dann richtig Urlaub, die Einkauferei ist ja eher Streß. Ich bin jetzt auch eher Platt und Bau mir daher mal ein Bett.
Der Tag heute begann mit einem hartnäckigen Dauerregen. Eigentlich genau das richtige Wetter, um Strecke zu machen - man hat ehh keine Lust das Fahrzeug zu verlassen, weil man ja nur klitschenaß würde. Also habe ich in Ruhe gefrühstückt und dann gings los. Die Straßen hier im Süden Schwedens sind Autobahnartig ausgebaut und entsprechend langweilig ist das Fahren. Eine große Freude ist aber, daß mein WoMo Tempomat hat. Also irgendwo zwischen 80 und 90km/h den Knopf drücken und man kann die Beine auch mal anders positionieren. Viel besser als immer einen Fuß auf dem Gaspedal in der Schwebe zu halten. Und man muß nicht ständig aufpassen, ob man zu schnell oder zu langsam wird, kann also die ganze Zeit rausgucken und die Zeit, die man sonst mit dem Tachoblick verbraucht bleibt so für die Landschaft über.
In Norrköping habe ich dann Pause gemacht und mein Mittagessen verspeist. Da es inzwischen aufgehört hat zu regnen mache ich bei der Gelegenheit gleich noch einen Verdauungsspaziergang durch die Stadt, die nicht sonderlich schön ist. Zumindest der Teil, den ich gesehen habe erinnert stark an Kiel oder Hannover.
Danach geht es dann weiter - ich quäle mich noch gemeinsam mit dem Feierabendverkehr durch Stockholm (prima Idee) und bin jetzt für die Nacht auf dem Rastplatz "Mora Stena" gelandet. Hier wurden vor geraumer Zeit schwedische Könige vereidigt und das wurde dann in Keilschrift auf irgendwelchen Steinen dokumentiert. Die Steine sind jetzt natürlich in einem Museum gelandet, aber hier gibt es einen kleinen Weg dahin wo die Steine vielleicht mal gelegen haben. So genau weiss das keiner, denn als die ins Museum kamen hat keiner den Fundort dokumentiert.
Das ist ein sehr gemütlicher Autobahnrastplatz, etwas ab der Hauptbahn steht man im Wald. Mein gesamtes historisches Wissen über diesen Ort stammt übrigens von einer Infotafel gegenüber vom Klo. Gerade macht hier noch eine größere Gruppe einen Grillabend - wie es aussieht sind die extra dafür hierher gefahren. Grillen auf der Raste ist ja auch nicht jedermanns Sache, aber wenn's ihnen Spaß macht... bekloppter als campen auf der Raste ist es ja auch nicht.
Nachtrag: Ich bin dann abends doch noch einen Parkplatz weitergefahren, als die Kapelle dazu stiess und südländische Hits spielte. War wohl eine größere Feier, wenn sogar Livemusik dabei ist.
Heute war Wald, zumindest meistens. Dazwischen waren aber auch immer mal Seen, aber überwiegend waren da Nadelbäume und Birken. Pause habe ich heute in Sundsvall gemacht, eine nette Stadt, die ich überraschend groß fand. Ich dachte so weit im Norden wären die Städte kleiner. Die Stadt selber ist sehr schön um das Ende eines Fjordes herumgebaut und bietet alle Einkaufsmöglichkeiten, die man sich wünschen kann. Ich bin dann gleich mal beim Media Markt angehalten - hatte noch was vergessen. Die hätten übrigens noch iPads dagehabt, falls einer eines braucht, einfach schnell hierher brennen. Preis habe ich nicht geguckt, ich will keines haben - wie die meisten Nordschweden, wie es scheint.
Die Fahrt hierher war nicht aufregend. Kurz halt gemacht habe ich in Byske, weil ich mit dem Gedanken gespielt habe dort auf dem Campingplatz zu übernachten. Aber dann habe ich mir die Anlage angesehen und dankend verzichtet. Fein abgesteckte Planquadrate und eine Packdichte, wie in Italien oder Spanien. Also habe ich mich dort nur ein halbes Stündchen an den Strand gesetzt und einen Kaffee getrunken und bin dann weiter.
Wer hier hoch fährt sollte sich die oben genannten Koordinaten schonmal ins GPS tun. Ich stehe hier auf einem Traumhaften Rastplatz an der E4: Direkt an einer kleinen Bucht, Blick auf die Ostsee. Insgesamt sind etwa ein Dutzend Wohnmobile und Wohnwagen hier, die hier wohl auch übernachten werden. Da die Hauptsaison ja erst noch kommt könnte ich mir vorstellen, daß das später im Sommer hier recht gut gefüllt ist. Kein Wunder, hier gibt es alles: Ein Gulli zum drauffahren und Grauwasser ablassen (ist auch extra so beschildert), ein Trinkwasseranschluß (Gardena Standard) um den Frischwassertank zu füllen, "Latrintrömming" für Braunwasser auf der Gegenüberliegenden Strassenseite, Klos und Müllcontainer sind auch da. Außerdem gibt es noch einen Grill und eine Hütte mit Gratisfeuerholz, falls man mal dringend was grillen muß.
Also eigentlich die komplette Infrastruktur für lächelnde Wohnmobilfahrer - und das mit einem traumhaften Ausblick gepaart. Stünde hier noch eine Spendenbüchse, ich würde glatt bezahlen für den Stellplatz.
Was für ein Glück, daß ich nicht auf den Campingplatz gefahren bin.Weiter ging die Fahrt und plötzlich waren auf den Schildern Unmengen von Vokalen und nur noch relativ wenige Konsonanten zu sehen (absolut waren es nicht wenige, die Worte waren nämlich sehr lang). Das kann nur eines heißen: Ich bin in Finnland.
Erster ernstzunehmander Stop (also außer kurz tanken) war dann am Polarkreis. Im Santa Claus Village. Der totale Tourismus. Ich habe die Chance genutzt und Postkarten geschrieben und beim Weihnachtsmannpostamt eingeworfen. Dort gibt es praktischerweise einen Briefkasten, der auch erst wieder zu Weihnachten geleert wird, kann man jetzt schonmal die Weihnachtskarten verschicken. Ich hoffe aber, daß ich meine Karten in einen normalen Kasten geworfen habe und sie noch vor Weihnachten ankommen.
Leider wird Weinachten aber wohl dieses Jahr ausfallen, denn sie haben hier der Familie Weihnachtsmann das Gesicht weggeschossen. Also nicht wundern, wenn es diese Jahr keine Geschenke gibt.
Nach dem totalen Tourismuswahnsinn am Polarkreis bin ich dann noch ein kleines Stück weiter auf den ersten Rastplatz. Landschaftlich durchaus wieder ein Traum, aber die Einrichtungen sind doch etwas rustikaler als gestern: Das Klo ist ein Loch im Boden, Fliessend Wasser oder Kanalisation gibt es hier nix. Mir langt ein Loch zum reinpupsen und so bleibe ich heute hier und geniesse mal wieder die Natur. Der Vorteil daran so nah an dem Tourismuszentrum zu sein ist, daß ich hier quasi alleine auf dem Parkplatz bin. Alle waren noch schnell am Polarkreis Pipi machen und rauschen hier vorbei. Wer nicht mehr fahren will übernachtet dicht gedrängt auf dem Parkplatz zum Weihnachtswunderland.
Ansonsten hat dieser Parkplatz auch eine Kanu-Anlegestation und eine Grillhütte samt Feuerholz für Parkplatzbenutzer und Kanuten, die hier nächtigen. Ich bin allerdings zu faul mir ein Feuer zu machen und dann alleine drumherumzusitzen, das windgeschützte Womo tuts auch.
Nun zeigt das GPS wieder korrekte Daten an. Kein Sonnen Auf- oder Untergang. Mitternachtssonne. Ich schreibe diese Zeilen um 23:30 Ortszeit und musste das Rollo schließen, weil die Sonne auf dem Display des Laptops geblendet hat. Allerdings macht Garmin bei Mitternachtssonne weiterhin Nachtmodus, da ist wohl mal eine Fehlermeldung an den Hersteller fällig.
Heute gab es dann auch die ersten Begegnungen mit Auf-die-Strasse-Rentieren. Die ersten sorgten dann auch gleich für einen fast-Wildunfall. Der wäre zwar vom Wild verursacht gewesen, ein Rentier wäre dabei aber kaum zu Schaden gekommen. Ein Österreicher ist wohl das erste mal hier und hat sich so gefreut, daß ca. 150m neben der Straße Rentiere stehen, daß er sein Wohnmobil direkt hinter einer Kuppe auf der Strasse stehen ließ und mit seinem Photoapparat ins Feld musste. Tja, und dann kam ich über die Kuppe und musste heftig Bremsen, damit ich nicht in seinen Sprinter krache. Wildunfall zweiter Ordnung wäre das sonst wohl gewesen.
Circa 15 Minuten später fuhr er dann wieder hinter mir und eine Rentierrotte (sagt man bei denen so?) lief vor mir auf die Straße. Vollbremsung Nummer zwei, diesmal hatte ich den Ösi fast in der Achterkajüte. Für die Tiere bestand zu keiner Zeit eine Gefahr. Danach hat er dann etwas mehr Abstand gehalten.
Man muß die Wildwechselschilder hier wirklich ernst nehmen und ich mache beim geringsten Anzeichen von Erschöpfung beim Fahren Pausen. Die Viecher gucken nicht auf die Straße und trotten einfach so dahin. Und sie sind verdammt gut getarnt, man sieht die wirklich erst, wenn sie fast auf der Straße sind. Wichtiger Hinweis: Wenn eine Gruppe vor euch über die Straße geht, bremst auch, wenn die es dicke vor euch schaffen. Bei mir kam heute jedes mal noch ein Nachzügler kurz nach der Hauptgruppe über die Straße gedackelt. Oder gerentiert.
Und noch ein Hinweis: Kleinen Brücken sollte man sich langsam nähern, einige sind für Strassenfahrzeuge nicht wirklich mehr geeignet.
Die Rassentrennung gibt es im Sanutärbereich in Finnland auch noch. Zum Beispiel gehen Wohnmobile auf getrennte Toiletten von Menschen (egal welchen Geschlechts).
Meinen Parkplatz habe ich mir heute nicht so sehr wegen der schönen Lage gewählt, sondern mehr wegen der freien Sicht nach Norden. So scheint die Mitternachtsonne prall auf das Auto und es wird nicht so kalt in der Nacht. Netter Nebeneffekt: Ich sehe die Mitternachtsonne vielleicht, obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob die Sonne nicht hinter dem Hügel hier kurz verschwindet. Wird knapp.
Nach einem Abstecher nach Kirkenes um norwegisches Geld zu besorgen und zu tanken ging es weiter. Jetzt wurden die Straßen interessant: Die 98 nach Ifjord war eine eher schaukelige Angelegenheit. Es ging viel hoch und runter und jedesmal, wenn man über 100m hoch war merkte man, daß die Bäume aufhören. Überhaupt waren die Birken nur noch Mannhohe Sträucher.
Aber dann kam der Hammer: Die 888 nach Gamvik. Wer mit dem Auto in Nordnorwegen unterwegs ist muß diese Strecke einfach fahren. Es ist wie auf einem anderen Planeten, man fährt durch kargen Fels und Schneelandschaften. Auf 350m höhe pfeift ein kalter Polarwind (man ist hier schließlich mitten im Nordmeer). Eine Landschaft die in ihrer Größe und Gewalt absolut beeindruckt. Man kann das Gefühl beim durchqueren dieser Steinwüste leider nicht in Bilder oder Worte fassen. Das ist auf jedenfall mein Nordeuropa-Tip. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.
Auch wenn nicht ganz klar ist, wo die hier eigentlich genug zu fressen finden, muss man auch hier noch aufpassen, hinter jeder Kurve kann plötzlich so eine Herde lauern.
Am Strassenrand hingegen wohnen hier gerne mal Fische. Da wo bei deutschen Tankstellen die Bifi liegt, hat der Norweger abgepackten Stockfisch. Und der muss ja auch irgendwo herkommen.
Weiter geht die Fahrt. Zurück zur 98 und dann weiter nach Westen. Hier lernt man, daß die Kiefer auch auf mäßig furchtbarem Boden gedeiht. War mir so auch nicht klar. Aber schöner Schreibfehler, den auch das weggkratzte "r" nicht retten kann.
Ab morgen geht es Südwärts: Ich bin so weit im Norden wie es mit dem Auto geht - am Nordkapp. Teurer Spaß so ein Nordkappbesuch (2x145NOK Maut + 215NOK Nordkapp-Plateau-Betretensgebühr), aber wenn man schonmal hier ist, dann muß man das auch mitnehmen, wer weiß, wann man mal wieder in der Gegend ist. Immerhin 2118km Luftlinie bis nach Hause.
Das Nordkapp ist eigentlich ein Hochplateau auf der Steilküste am Nordmeer. Hier trifft der Golfstrom und das Nordmeer aufeinander, deswegen ist eigentlich fast immer schlechtes Wetter und die wunderschöne Mitternachtsonne über dem Meer hat außer dem Photographen für die Postkarten wohl noch kein Mensch je gesehen. Der Wind ballert hier auch richtig, so das ich angenehm in den Schlaf geschaukelt werden werde. Sich draußen aufzuhalten ist jedenfalls nicht wirklich angenehm, 6° Lufttemperatur und ein Wind der einen aus den Latschen pustet sind eine üble Kombination. Jeder will aber auch bei dem Wetter ein Bild am typischen Nordkappphotomotiv haben.
Aber der Touristenrummel ist groß. Souvenirshop mit Nordkapp Pullis, Mützen, Aufklebern, Socken usw. inklusive. So gegen späten Abend werden dann haufenweise Busladungen von Touristen hier angekarrt, damit auch sie die Mitternachtssonne hier nicht sehen können. Ansonsten steht der Parkplatz voll mit Wohnmobilen - aktuell so um die 50 Stück und es ist ja noch nicht Hauptaison.
Jetzt hatte ich auch genug eisigen Sturm, der ja auch beim Fahren sehr anstrengend ist. So ein Wohnmobil hat ja auch eine erhebliche Segelfläche. Aber schon 50-80km nach Süden helfen und der Wind schläft ein. Man hat dann auch wieder die ersten kleinen Birkensträucher am Wegesrand. Und natürlich die grasenden Kollegen.
Gelandet bin ich dann in Hammerfest. Angeblich die nördlichste Stadt der Welt. Kann ich mir schon vorstellen, in diesen Breiten ist in weniger Golfstromverwöhnten Gegenden wahrscheinlich wirklich nicht mehr viel los. Hier habe ich dann auch die Meridiansäule besucht - Ein Denkmal zur Vermessung der Welt. Dort wo sie steht war wohl einer der genutzen Punkte um den Erdumfang erstmals zu bestimmen, genaueres muß ich mal recherchieren, wenn ich wieder Internet habe. Die Infotafeln haben mir kein ganz klares Bild der Lage gegeben.
Die Nacht verbringe ich dann auf dem Campingplatz von Hammerfest. Er bietet ein großartiges Panorama über den Hafen und raus aufs Meer - Einzig die Erdgasverflüssigungsanlage auf einer Insel vor Hammerfest passt nicht so ganz ins Bild. Aber eigentlich ganz schön schlau so ein Risikogeschäft auf einer Insel im Fjord zu machen, wenn das ganze in die Luft fliegt, dann liegt wenigstens nicht gleich die eigene Stadt in Schutt und Asche.
Die Viecher haben auch echt jede Angst vor dem Menschen verloren und grasen hier dann auch auf dem Campingplatz.
Was mir die ganze Fahrt gen Norden auffiel war, daß der Himmel irgendwie größer wirkt, je weiter nach Norden man kommt. Und das Licht ist absolut faszinierend. Auch das kommt leider im Photo nicht so beindruckend rüber, wie es in Wirklichkeit ist.
Ab jetzt ist die Fahrt geprägt durch Fjordlandschaften. Großartige Bergpanoramen am Meer geben sich die Klinke in die Hand. Ansonsten verlief die Fahrt "ohne besondere Vorkommnisse". Wie immer, wenn man in den kargen Landschaften Nordnorwegens unterwegs ist fanden sich im Wegesrand aufeinandergestapelte Steine. Diese hinterlassen wohl inzwischen hauptsächliche durch die LAnde streifende Touristen im Glauben damit ein Denkmal für die Ewigkeit zu hinterlassen. Ich glaube zwar, das die meisten dieser Haufen nur bis zum nächsten Winter halten, aber trotzdem ein schöner Brauch. Macht zwar keinen Sinn, tut aber auch keinem weh.
In höheren Lagen ist es auch immernoch empfindlich kühl.
Sollte ihr beim Lesen diese Zeilen ein lautes rauschen hören, so ist daß nicht die E6 an meiner Backbordseite - da ist nicht viel Verkehr - sondern der gemächlich dahinreißende Fluss an Steuerbord. Insgesamt wird die Landschaft wieder mitteleuropäischer. Die Siedlungen nehmen an Größe zu, es sind wieder Bäume am Straßenrand, die den Namen verdienen, die Baumgrenze wird immer höher an den Hängen.
Bei der Fahrt ist mir noch ein wichtiger Sicherheitshinweis an zukünftige Norwegenfahrer eingefallen: Wie auch bei Rentieren ist es bei Wasserfällen vollkommen unnötig beim ersten, den man sieht voll in die Bremsen zu hauen und Photos zu machen. Auch Wasserfälle haben die hier ohne Ende und es kommen noch genug, die in der Nähe von Parkplätzen sind und in aller Ruhe abgelichtet werden können. Also keine gewagten Manöver, es sind wirklich so viele, das man irgendwann nur denkt "oh, schon wieder". Aber immerhin stehen Wasserfälle nicht auf der Straße rum und gucken nur doof, wenn man durch will.
Heute Dauerregen. Ich habe einen Abstecher auf die Lofoten gemacht, da mir versichert wurde, da sei das Wetter immer sehr wechselhaft. Das scheint aber nur für gutes Wetter zu gelten, tiefhängende Wolken und intensiver Dauerregen ist auch da sehr stabil. Landschaftlich sind die Lofoten sicher spektakulär, wenn man ein Wetter hat bei dem man sich auch mal raustrauen kann - Sehr steile Hänge, die direkt ins Meer gehen. Ich vermute auch sehr hohe Berge, aber bei vielen konnte ich das obere Ende nicht erkennen, da es in den Wolken hing.
Während der Fahrt fiel mir auf, daß sich die Berge verändert haben. Waren sie vorher noch ungelichmäßige Gebilde mit jeder Menge Geröll und Falsspaten sahen sie heute anders aus. Irgendwie, als wären sie alle oben angeschmolzen oder mit flüssigem Gestein übergossen worden. Ich vermute, daß das Gegenteil von großer Hitzer Schuld war und eiszeitliche Gletscher die Berge so glatt geschliffen haben, aber der erste Eindruck war der von geschmolzener Schokolade.
Der Erste Stop des heutigen Tages war am "Saltstraumen". Hier gibt es ein großes, weil verästeltes, Fjord-System, daß nur einen sehr schmalen Durchgang zum Meer hat. Das hat zur Folge, daß die Gezeiten hier extrem Starke Strömungen verursachen - extrem stark heisst, daß hier der Gezeitenstrom mit bis zu 20 Knoten fließt. Das sieht durchaus beeindruckend aus - auf einem Photo allerdings nicht. (Infotafel)
Auf der weiteren Fahrt ging es dann auf ca. 700m Höhe über dem Meer auf ein Hochplateau (hier auch: "Fjell"), wo nochmal arktische Landschaften warteten. Auf Meereshöhe gibt es inzwischen schon wieder Kiefern in normaler Größe zu sehen. Hier oben überquerte ich dann auch den Polarkreis auf dem Weg nach Süden - Da heute Midsommer ist also der südlichste Punkt wo noch Mitternachtssonne war. Auch hier war wieder extremes Steinestapeln durch Touris angesagt, die große Anzahl der Steinhaufen lässt mich inzwischen vermuten, daß die doch länger als nur bis zum Winter halten.
Heute ging die Fahrt weiter Richtung Trondheim. Unterwegs habe ich noch halt gemacht bei den "Laksflossen", einem beeindruckenden Wasserfall, wo - wenn man zur richtigen Zeit da ist - die Lachse riesige Sprünge machen um da hochzukommen. Ich war aber wohl zur falschen Zeit da, Lachse flogen keine umher.
Vor Trondheim wurde mir dann bewusst, daß die Weiterfahrt auf der E6 mich in ein verwirrendes Labyrinth aus Mautstationen führen würde. Also habe ich spontan beschlossen über die E14 nach Schweden rüberzumachen und dann dort auf dem "Inlandsvägen" nach Süden zu fahren. Die feuchte Luft vom Atlantik, die an den Bergen an Norwegens Westküste abregnet begann mir ehrlich gesagt auch etwas auf den Zeiger zu gehen. Ich hatte auch auf besseres Wetter Landeinwärts gehofft und diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Hier ist es immerhin trocken und zwischendurch zeigt der Himmel sich auch mal in blau.
Also stehe ich hier mit schönem Fernblick über ein weites Tal, einzelne Gebirgszüge in der Ferne. Insgesamt deutlich besser als Fernsehen, würde ich sagen.
Wald. Und eine lange gerade Straße. Viel mehr kann man über den Inlandsvägen nicht sagen, glaube ich. Eine gute Wahl um vorwärtszukommen, eine schlechte Wahl, wenn man eine Abwechslungsreiche Strecke will.